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Pionierin

Die Station Palliative Care im Landesklinikum Scheibbs war eine der ersten ihrer Art in Niederösterreich.


Die Patientin von DGKP Mario Feichtegger genießt die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Terrasse.

Die hellen freundlichen Räume ermöglichen eine gelöste Atmosphäre. Dr. Alexandra Egger bei der Visite im Aufenthaltsraum.

Patientin Ines V. schrieb im Rahmen ihres Aufenthaltes auf der Palliativstation ein Buch „Und ich lebe noch“. Am Bild mit DGKP Mario Feichtegger und Mag. Kerstin Peer

Auch Psychologinnen, Diätologinnen, Seelsorgerinnen und Physiotherapeuten sind Teil des Palliativteams: (v.l.) Elisabeth Schnabl (Diätologie), Mag. Isabella Labenbacher (Psychologie), Ärztl. Direktor Dr. Friedrich Steger, Eva-Maria Wenighofer (Palliativ-Hospizverein), OÄ Dr. Birgit Kum-Taucher, Dr. Gerhard Winter (Physiotherapie), DGKP Brigitte Hudler (mobiles Palliativteam), DGKP Mario Feichtegger, DGKP Sigrade Kraushofer, Mag. Maria Gratzer-Hagen (Seelsorge)

Das Leitungsteam der Palliative Care: (v.l.) DGKP Petra Schweighofer, OÄ Dr. Birgit Kum-Taucher und DGKP Brigitte Hudler (mobiles Team)

Eine Patientin liegt in ihrem Bett und genießt die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Terrasse, der diplomierte Krankenpfleger Mario Feichtegger kniet neben ihr. Der Krebs hat die zierliche Dame schwer gezeichnet. Seit einer Woche ist sie an der Scheibbser Station für Palliative Care. Mit verschiedenen Therapien lassen sich ihre Beschwerden wie Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schmerzen deutlich bessern. Damit sie wieder nach Hause, in den Kreis ihrer Familie kann. Das wünscht sich die Patientin.

An der Station werden Patientinnen und Patienten versorgt, deren Lebenserwartung wegen einer unheilbaren, fortgeschrittenen Erkrankung begrenzt ist. Im Schnitt bleiben sie zwei Wochen und können danach wieder zuhause oder in einer anderen Einrichtung betreut werden. Die Räume hier sind hell und freundlich, die Zimmer mit Balkon ausgestattet, mit Blick in den Patientengarten. Auf der Sonnenterrasse kann man sich ausruhen, im Raum der Stille seine Ruhe haben. Ein Ambiente zum Wohlfühlen, zum Regenerieren und Krafttanken. Fernab des Klischees einer „Sterbestation“.

Geleitet wird die Palliativstation von Oberärztin Dr. Birgit Kum-Taucher. Die Internistin hat wie alle ihre Kolleginnen eine spezielle Zusatzausbildung. DGKP Petra Schweighofer leitet den pflegerischen Bereich. Sie ist seit 2006 an der Station, seit 2008 hat sie die Pflegeleitung inne. Davor hat sie an der Tumorchirurgie in Salzburg gearbeitet: „Wir hatten viele Patienten in ihrer letzten Lebensphase, mich hat es richtig zu ihnen hingezogen.“ Daher ging sie dorthin zurück, wo sie 1996 diplomiert hat – nach Scheibbs.

15 Jahre
Die Station feierte heuer das 15-jährige Jubiläum, Birgit Kum-Taucher ist seit Anfang an dabei, „ihre“ Station ist eine der „Pionierinnen“: „2001 haben wir die Palliativstation als Pilotprojekt gemeinsam mit Gmünd, Lilienfeld und Waidhofen/Thaya eingereicht. Wir mussten beweisen, dass es ein gutes Projekt ist. Seither sind wir stetig gewachsen. Aber es war nicht immer einfach.“ Der Beweis ist mittlerweile erbracht, die Arbeit der Pionierinnen überzeugt: „Am Anfang haben wir die Küche eingerichtet, danach gekocht, und jetzt muss es auch schmecken“, sagt die Oberärztin.

Der Station angeschlossen sind ein palliativ­medizinischer Konsiliardienst, der Ärzten und Patienten auf den anderen Stationen des Hauses zur Verfügung steht, sowie ein mobiles Palliativteam aus Ärzten und Pflegepersonen, das Patienten zuhause betreut. Großer Wert wird auf die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen und Berufsgruppen gelegt, sagt Kum-Taucher: „Verschiedene Perspektiven sind wichtig, jede Profession richtet ihren Scheinwerfer auf etwas anderes.“

Ruhe & Kraft
Was beim Rundgang auf der Station auffällt: Alle im Team strahlen eine innere Ruhe aus. Wie gelingt das beim ständigen Umgang mit Todkranken? „Es ist eine sinnvolle Aufgabe, und das gibt Kraft“, erzählt Petra Schweighofer, „wir können Menschen in der letzten Phase ihres Lebens helfen.“ Wesentlich seien der Zusammenhalt im Team und der Ausgleich im Privatleben. „Jeder hat ein anderes Ritual, damit umzugehen. Auch weinen ist erlaubt. Man arbeitet ja mit Herz“, sagt sie. Palliativ­ärztin Kum-Taucher ergänzt: „Man lebt selber bewusster, wenn man viel mit dem Tod
konfrontiert ist. Ganz einfache Dinge werden wichtig, aus denen man Kraft schöpfen kann.“ Vor dem Tod fürchtet sie sich nicht: „Sterben ist Teil des Ganzen, ein Abschied. Manche Patienten mussten schon viele kleine Abschiede nehmen – zum Beispiel zuerst vom Radfahren, dann vom Gehen. Der große Abschied muss dann so gelingen, dass er aushaltbar ist. Dabei helfen wir.“

Kum-Taucher freut sich über all das, was gelungen ist in den letzten 15 Jahren: „Ich bin stolz darauf, dass wir mit vielen Veränderungen fertig werden. Und ich bin auch auf die Patienten stolz, dass sie mit ihrer schweren Veränderung gut zurechtkommen.“ Besonderes Lob geht an ihr Team – dafür, dass es alle Wellenbewegungen mitgemacht hat. Viele sind von der ersten Stunde an dabei, eine beständige und individuelle Gruppe.

„Lauter Mercedes-Schwestern und -Pfleger“, schmunzelt Petra Schweighofer und meint damit die hohe fachliche und psychosoziale Kompetenz des Teams. Man muss wahrlich ein besonderer Mensch sein, damit man sich für diesen wichtigen Beruf
entscheidet.

Palliativstationen gibt es in den NÖ Kliniken Hochegg, Krems, Lilienfeld, Mistelbach-Gänserndorf, Scheibbs und Waidhofen/Thaya. In fast allen anderen Standorten gibt es Konsiliardienste (spezialisiertes Personal besucht das Klinikum) und/oder die Zusammenarbeit mit mobilen Diensten.

Palliative Care

In Scheibbs stehen derzeit acht Betten für die Palliative Care zur Verfügung. Diese Palliativeinheit wird von einem Team, bestehend aus Ärztinnen, Pflegepersonen,
Psychologinnen, Seelsorgerin, Diätologinnen,
Physiotherapeutinnen und ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen betreut.

Das Team
der Palliativstation (Dienstposten):
2 Ärztinnen & Ärzte
19 Pflegepersonen

 

15 Jahre Palliativstation in Scheibbs

2001    Am 1. August wird die Palliativstation als Pilotprojekt für die Dauer von
           zweieinhalb Jahren mit vier Betten im Bereich der Gynäkologie integriert. 2004    Übernahme als fixe Station im Landesklinikum
2005    Erweiterung auf sechs Betten
2006    Bauliche Adaptierungen: zusätzliche Einbettzimmer, neuer Raum der
           Stille (Verabschiedungsraum), Besprechungszimmer, Büros
2007    Erweiterung auf acht Betten Etablierung eines mobilen Palliativteams und
           eines Palliativ-Konsiliar-dienstes für die Betreuung außerhalb und innerhalb
           des Klinikums (Patienten, Angehörige, Hausärzte, Pflegeeinrichtungen)
2011   Die Palliativstation übersiedelt in den neu erbauten Ambulanztrakt
          (Zimmer mit Balkon, Blick in Patientengarten, Sonnenterrasse, Wohnzimmer,
          Raum der Stille).

 

Aufgaben & Kompetenzen

Palliative Care (lateinisch „pallium“ bedeutet „der Mantel“) meint ein spezialisiertes Team, das Patienten mit einer unheilbaren Erkrankung schützt und unterstützt. „Care“ heißt sich bemühen, sich sorgen, ist mehr als Palliativmedizin.
Angebote (Auszug):

  • ganzheitliche Betreuung durch Medizin und Pflege, die sich an denBedürfnissen der Patienten orientiert
  • Symptomenkontrolle (Linderung von Übelkeit, Verstopfung, Atemnot, Erschöpfung usw.)
  • Rehabilitation (z. B. nach einer palliativen Operation)
  • Mobilisierung (z. B. nach längerer Bettlägerigkeit)
  • Komplementäre Medizin (Akupunktur, Lasertherapie, Misteltherapie)
  • Physiotherapie
  • Entlassungsvorbereitung, Organisation von Hilfestellungen für zu Hause
  • Zusammenarbeit mit onkologischer Ambulanz, Hausärzten, Fachärzten und sozialen Einrichtungen

Informationen: www.scheibbs.lknoe.at